Hohe Gasrechnung

Hohe Gasrechnung

Hilfe meine Gasrechnung ist zu hoch - die häufigsten Gründe für hohe Heizkosten und viele Tipps wie Sie Vorsorge treffen können

Deutschland steckt mitten in der Kälteperiode und ein Ende scheint auch Anfang des neuen Jahres noch in weiter Ferne. Der Winter in diesem Jahr gilt jetzt schon als sehr hart und kalt. Diejenigen, die in den eigenen vier Wänden nicht frieren wollen, haben die Wahl einen zweiten Wollpullover überzuziehen oder die Heizung noch ein wenig höher zu stellen. Jetzt schon steht fest: in den Wintermonaten von Oktober bis Dezember hat im Vorjahresvergleich der Heizenergieverbrauch um zwanzig Prozent zugenommen. Vielen Deutschen graut daher bereits vor der Jahresendrechnung ihres Energieversorgers. Auch Gas-Kunden können durch den erhöhten Verbrauch und die steten Preiserhöhungen der Gasanbieter mit teilweise ordentlichen Nachzahlungen rechnen.

Was aber können Kunden tun, wenn die Gaskosten viel zu hoch erscheinen? Welche Gründe gibt es für die hohe Gasrechnung? Und wie kann man die Heizkosten nachhaltig senken?

Wohnfläche

Der wichtigste Faktor in der Kalkulation des Gasverbrauchs ist die zu beheizende Wohnfläche. Je größer Wohnung und Haus desto höher ist auch der Bedarf an Gas. Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht, um den Gasbedarf in Abhängigkeit der Wohnfläche abzuschätzen:

Haushaltsgröße

kWh/Jahr

Wohnung 30 m²

3.000

Wohnung 50 m²

5.000

Wohnung 70 m²

8.000

Wohnung 100 m²

12.000

Reihenhaus

20.000

Einfamilienhaus

35.00

Neben der zu beheizenden Wohnfläche gibt es noch eine Vielzahl weiterer Faktoren, die die Heizkosten in die Höhe schießen lassen können. Einige dieser Faktoren können vom Gaskunden aktiv beeinflusst werden, aber nicht alle.

Witterungsverhältnisse

Der Winter ist die Periode, in der die meisten Heizkosten anfallen. Je länger die Kälteperiode im Winter anhält und desto kälter es ist, desto höher wird auch der Gasverbrauch ausfallen. Das ist natürlich logisch und jedem bewusst, dennoch kalkulieren viele Gas-Kunden einen langen Winter nicht in ihren Jahresverbrauch ein. Natürlich kann man wenig gegen einen kalten Winter tun, es kann aber Ausschlag geben, das eigene Heizverhalten zu überprüfen und so astronomische Gas-Nachzahlungen in Zukunft zu vermeiden.

Wichtig: Schon vor dem Einzug kalkulieren

Wer eine Wohnung zur Miete oder zum Kauf sucht, achtet meist auf eine Vielzahl von Kriterien, die Energieeffizienz einer Immobilie, deren Ausstattung und Lage im Bezug auf die Heizenergiekosten spielen leider allzu oft eine untergeordnete Rolle. Die Heizkosten machen aber einen wesentlichen Teil der Wohnnebenkosten aus. Nicht selten erschrecken die frischgebackenen Immobilienbewohner über die Höhe dieser Kosten im Nachhinein.

Immobilienlage

Die Auswirkungen von Wind und Kälte auf die Gasrechnung hängen zu einem großen Teil von der Lage der Immobilie ab. Eine Wohnung zur Nordseite weist tendenziell immer einen höheren Heizenergieverbrauch auf, als eine Wohnung mit Südausrichtung. Zwei ansonsten identische Wohnungen können allein aufgrund dieser Tatsache deutliche Unterschiede in der Gas-Endabrechnung aufweisen. Ähnlich verhält es sich mit der Anzahl der Außenwände. So können Bewohner eines freistehenden Hauses mit einer erheblich höheren Gasrechnung kalkulieren, als Bewohner eines Reihenhauses.

Alter der Immobilie

Je älter eine Immobilie ist, desto schlechter ist im Allgemeinen auch die Wärmedämmung. Eine mangelhafte Wärmedämmung, Kältebrücken, wie schlecht isolierte Fenster, und ähnliche Faktoren können die Heizkosten in astronomische Höhen schießen lassen. Der vormals geplante Gasverbrauch kann sich beispielsweise bei einem Altbau schnell verdoppeln.

Mit dem Heizcheck vom Bund der Energieverbraucher können Mieter, Eigentümer und Kaufinteressierte online testen, ob der Heizenergieverbrauch der Immobilie in einem normalen Bereich liegt. Zusätzlich gibt der Energieausweis des Hauses Aufschluss über die generelle Energieeffizienz.

Zähler

Viele Gaskunden schieben im ersten Moment alle Schuld an der viel zu hohen Gasnachzahlung auf einen defekten Zählerstand. Natürlich kann ein Verbrauchszähler in Ausnahmefällen defekt sein, in der Realität ist der Zähler aber nur in den seltensten Fällen an der hohen Gasrechnung schuld. Bleibt der Verdacht auf einen defekten Gaszähler bestehen, kann dieser kostenpflichtig vom örtlichen Gasversorger überprüft werden. Über die Kosten können sich Kunden beim jeweiligen Gasversorger direkt erkundigen.

Heizanlage

Natürlich beeinflusst auch die Effizienz der Heizanlage den Heizenergieverbrauch. Ein moderner Brennwertkessel verbraucht bei gleicher Wärmeerzeugung wesentlich weniger Gas als die Geräte der letzten Generation. Ein Austausch kann in der Anschaffung teuer sein, aber langfristig zu einer Kostenreduktion führen. Das Einsparpotential liegt bei bis zu 40 Prozent. Wer darüber nachdenkt seinen Gasheizkessel zu erneuern, kann bei der Stiftung Warentest weitere Informationen und einen Produktvergleich einholen. Neben dem Heizkessel können auch die Heizungsrohre zu einem Wärmeverlust führen. Durch schlecht isolierte Rohre und/oder Heizanlage entweicht ein Großteil der Wärme im Heizungskeller und erreicht die zu beheizenden Räume erst gar nicht. Auch ohne großes handwerkliches Geschick können Heizungsrohre selbst isoliert werden, eine Anleitung dazu findet sich im Internet.

Besonderheiten als Mieter

Im Gegenteil zu Eigentümern haben Mieter oft das Problem, dass sie sowohl die bauliche Ausstattung der Wohnung und des Hauses als auch die Wahl des Gasversorgers nicht direkt beeinflussen können. Üblicherweise leitet der Vermieter die Heizkosten als Nebenkosten an den Mieter weiter. Dieser kann die Höhe der Gaskosten nur durch sein eigenes Heizverhalten direkt beeinflussen. In Deutschland werden pro Jahr ca. 16 Millionen Heizkostenabrechnungen von den Vermietern erstellt – leider sind nicht alle Abrechnungen korrekt. Für den Mieter ist das Entziffern der Heizkostenrechnung zudem oft eine Wissenschaft für sich. Dabei ist der Aufbau immer gleich: aufgelistet werden die Heizkosten und die Heiznebenkosten, die in der Abrechnungsperiode angefallen sind. Im ersten Abschnitt werden die Energielieferungen nach Art (Gas, Öl oder Fernwärme), Lieferdatum, -menge und -preis aufgeführt. In einem zweiten Abschnitt folgen die Heiznebenkosten. Zu den Nebenkosten zählen Kosten für Instandhaltung und Wartung, Schornsteinfeger, Stromkosten der Heizungsanlage und ähnliches. Weitere Informationen zum Thema Heizkostenabrechnung finden Interessierte im Internet.

Wer seinen Vermieter von einem Gasanbieterwechsel oder baulichen Neuerungen überzeugen möchte, der braucht sehr gute Argumente und sollte bei einem ersten Gespräch nicht zu viel erwarten. Oft hilft es keinen Druck auf den Vermieter auszuüben, sondern ihm Unterlagen zu überreichen, die den Status Quo beschreiben, die Vorteile der Änderung für beide Parteien schildern und dem Vermieter wenn möglich schon einiges an Arbeit abnehmen. Die Broschüre mit einem bundesweiten Heizspiegel zum Heizkostenvergleich sowie Informationen rund um ein Heizgutachten finden Sie hier als PDF. Weitere Informationen und Rat können Mieter sich beim Mieterbund einholen.

Persönliches Heizverhalten

Letztlich bestimmt auch jeder durch sein persönliches Verhalten wie viel Gas er zum Heizen verbraucht. Jedes eingesparte Grad Wärme, spart ungefähr 6 % der Heizkosten ein. Das sollte natürlich nicht dazu führen, dass man es in der eigenen Wohnung nur mit Mantel und Mütze aushalten kann. Dennoch sollte man sein eigenes Heizverhalten überprüfen – hier einige Tipps zum Gassparen. Neben der Wahl der idealen Raumtemperatur, dem richtigen Stoßlüften und dem regelmäßigen Entlüften der Heizung gibt es aber noch einige weitere Tipps, die ein positives Heizverhalten fördern.

Steht ein Heizkörper beispielsweise an einer Außenwand, so beheizt man zu einem gewissen Grad die Außenwand. Die Wärme geht aber schnell verloren und verfehlt ihr eigentliches Ziel. Um das zu verhindern gibt es einen einfachen Dämmschutz aus dem Baumarkt. Die Isolierschicht besteht aus Styropor mit einer dünnen Lage Aluminium. Diese Isolierschicht ist hinter dem Heizkörper an der Außenwand anzubringen. Das Aluminium reflektiert die Energiestrahlen und die Wohnfläche wird verstärkt mit Wärme versorgt.

Eine zusätzliche Installation von programmierbaren Heizthermostaten ist mit geringem Aufwand und begrenzten Kosten möglich und kann zu einer wesentlichen Reduktion der Heiz- und Gaskosten beitragen. Mit einem Thermostat können zwei Ziele erreicht werden: erstens, die Räume werden nur zu den Zeiten beheizt, in denen sie auch genutzt werden. Zweitens: ist die Soll-Temperatur in einem Raum erreicht, schaltet die Heizung automatisch herunter. Durch programmierbare Thermostate kann so bei gleichbleibenden Raumtemperaturen Energie gespart werden.

Ein letzter Tipp ist die Nachtabsenkung. Diese ist auch dann eine energiesparende Lösung, wenn man sich für einige Zeit nicht in den Räumlichkeiten aufhält, z.B. durch eine Urlaubsreise. Auch in unserer Abwesenheit sollten Räume und Wände nicht auf wesentlich weniger als 15 Grad Celsius abkühlen, da sonst das Wiederaufheizen zu überdurchschnittlich hohen Heizkosten führt. Werden Räume für eine Zeit nicht gebraucht, kann die Nachtabsenkung der Heizung genutzt werden, um Gas zu sparen.

Mögliche Reaktionen

Gaskunden, denen die Rechnung trotz Beachtung aller Kriterien zu hoch erscheint, bleiben schließlich genau drei Reaktionen:

1. Gasrechnung akzeptieren

Diese Lösung ist hier insbesondere aus Gründen der Vollständigkeit aufgeführt, da es die Reaktion der meisten deutschen Haushalte auf eine hohe Gasrechnung ist.

2. Gegen die Gasrechnung protestieren

Bisher ringen sich nur ca. 0,5 Prozent der betroffenen Gaskunden zu einer Rechnungskürzung durch. Der Bund der Energieverbraucher und deutsche Verbraucherschützer räumen Gaskunden aber das Recht ein die Gaszahlung unter bestimmten Bedingungen zu kürzen. So sagt Aribert Peters vom Bund der Energieversorger: „Verbraucher haben das Recht, überhöhte Gaspreise zu kürzen, bis der Versorger den Nachweis der Billigkeit erbracht hat“. Damit wird den Gaskunden das Recht eingeräumt die Höhe der Zahlungen zu überprüfen und ggf. anzufechten. Laut der Verbraucherzentrale haben die Gasversorger hingegen nicht das Recht dem Kunden trotz Kürzung das Gas abzudrehen. Dennoch sollten Gas-Kunden sich bewusst sein, dass ein solcher Preisprotest zu teilweise heftigen Reaktionen seitens des jeweiligen Gasversorgers führen kann. Mahngebühren und der Einsatz eines Inkassobüros sind nur zwei mögliche Reaktionen. Nach Meinung einiger Energieexperten ist es aber eher unwahrscheinlich, dass ein Gasversorger eine Klage anstrebt, um die ausstehenden Zahlungen einzutreiben. Der Aufwand der Beweisführung über die Billigkeit der Preiserhöhung ist aufgrund der geringen Zahl an Preisprotesten höher, als bei vereinzelten Kunden eine Rechnungskürzung zu akzeptieren. Gaskunden, die diese Möglichkeit in Betracht ziehen, sollten sich im Vorhinein ausgiebig über die Konsequenzen informieren. Der Bund der Energieverbraucher bietet zu diesem Zweck auch einige Musterbriefe an, an denen sich Gaskunden orientieren sollten.

3. Gasanbieter wechseln

Den Gasanbieter zu wechseln ist im Zweifelsfall mit weniger Aufwand und Risiko verbunden und hilft zudem ab dem Zeitpunkt des Wechsels Geld zu sparen. Bedenkt man, dass die Öffnung des Strom- und Gasmarktes bereits auf das Jahr 1998 zurückgeht und dass seitdem eine Vielzahl an neuen Gasanbietern auf den Markt drängen, ist es verwunderlich, dass noch immer mindestens 90 Prozent aller Haushalte von ihrem Grundversorger beliefert werden. Da Energie in Deutschland als ein wichtiges Infrastrukturgut angesehen wird, muss jedem Kunden eine Lieferung ermöglicht werden. Diese Aufgabe übernehmen die Grundversorger, meistens die örtlichen Stadtwerke. Die Tarife der Grundversorgung sind aber oftmals teuer. Dennoch lag die Wechselquote auch in den letzten Jahren nie über 5 Prozent. Mit dem Gaswechsel werden oftmals Risiken und ein hoher Aufwand verbunden. Dabei ist der Wechsel des Gasanbieters mit einem Gastarifrechner in nur wenigen Schritten vollzogen. Wie einfach es ist und welche Schritte zu beachten sind, zeigen wir hier: Gasanbieterwechsel – 11 Punkte die es zu beachten gibt.